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Grundlagen

Gleichlauf und Gegenlauf beim Fräsen

In welche Richtung du die Oberfräse führst, warum es wichtig ist und was am Frästisch gilt.

  • Dauer: ca. 10 Minuten Lesezeit
  • Schwierigkeit: leicht
  • Zubehör: keines nötig

Redaktion Oberfräse RatgeberAktualisiert am

Kurz & klar

Eine Oberfräse arbeitet im Gegenlauf, wenn du sie so führst, dass die Schneide dem Werkstoff entgegenläuft. Der Fräser dreht von oben gesehen im Uhrzeigersinn. Deshalb umfährst du Außenkanten gegen den Uhrzeigersinn und Innenkanten im Uhrzeigersinn, am Frästisch führst du das Werkstück gegen die Drehrichtung zu. Im Gleichlauf kann die Maschine aus der Hand gerissen werden.

Wer zum ersten Mal mit der Oberfräse arbeitet, hört oft den Satz „Fräse immer gegen die Drehrichtung“. Das klingt einfach, ist aber im Alltag verwirrend: Gegen welche Drehrichtung, und wohin schiebst du die Maschine konkret? Dieser Beitrag klärt die Begriffe, gibt dir eine Merkregel für alle Kanten und zeigt, was am Frästisch anders aussieht.

Wenn du die Maschine noch nicht kennst, lies zuerst den Grundlagenbeitrag Oberfräse benutzen. Die Fachbegriffe findest du im Glossar unter Gleichlauf, Gegenlauf und Vorschub.

Was sind Gleichlauf und Gegenlauf?

Der Fräser dreht sich, und du bewegst entweder die Maschine über das Werkstück oder das Werkstück am Fräser vorbei. Diese Bewegung heißt Vorschub. Je nachdem, wie Vorschub und Drehung zusammenpassen, entsteht einer von zwei Fällen:

  • Gegenlauf: Die Schneide bewegt sich im Eingriff auf das noch unbearbeitete Holz zu. Der Span beginnt dünn und wird dicker. Die Schneide hält die Maschine zurück, sie lässt sich gut kontrollieren.
  • Gleichlauf: Die Schneide bewegt sich im Eingriff vom unbearbeiteten Holz weg. Sie beißt zuerst dick an und kann die Maschine in Vorschubrichtung ziehen, sodass sie davonläuft.

Die Bosch-Anleitung für die POF 1200 AE und POF 1400 ACE sagt es so: Der Fräsvorgang muss stets gegen die Umlaufrichtung des Fräsers erfolgen, also im Gegenlauf. Beim Fräsen mit der Umlaufrichtung, dem Gleichlauf, kann das Elektrowerkzeug aus der Hand gerissen werden. Die DGUV formuliert in der Regel für das Tischler- und Schreinerhandwerk knapp: Es darf nur im Gegenlauf gefräst werden.

In welche Richtung dreht der Fräser?

Bei einer handgeführten Oberfräse dreht der Fräser, von oben auf die Maschine gesehen, im Uhrzeigersinn. Das ist die Grundlage der ganzen Merkregel. Du kannst sie dir so vorstellen: Wenn du von oben auf den Fräser schaust, läuft die Schneide wie ein Uhrzeiger.

Diese Drehrichtung ist bei üblichen Handoberfräsen fest vorgegeben. Bei gewerblichen Tischfräsmaschinen ist das anders: Die DGUV beschreibt dort als Standard den Rechtslauf der Spindel und optional einen Linkslauf. Deshalb verlangt sie, Fräswerkzeuge entsprechend der Drehrichtung aufzuspannen. Für deine Oberfräse bedeutet das: Beachte den Drehrichtungspfeil auf Maschine und Fräser und halte dich an die Anleitung.

Die Merkregel: Außenkante gegen, Innenkante mit dem Uhrzeigersinn

Aus der Drehrichtung folgt für die Fahrtrichtung der Maschine:

  • Außenkante des Werkstücks (du fräst am Rand eines Brettes oder einer Platte): Umfahre das Werkstück gegen den Uhrzeigersinn.
  • Innenkante (du fräst an der Kante eines Ausschnitts, einer Öffnung oder einer Nut, die von allen Seiten umschlossen ist): Fahre im Uhrzeigersinn.

Das gilt für eine Kante, die du behältst. Du fräst also immer so, dass die Schneide an der gerade bearbeiteten Fläche in Fahrtrichtung der Maschine auf unbearbeitetes Holz zuläuft.

Situation Fahrtrichtung Lauf Hinweis
Außenkante eines Brettes oder einer Platte gegen den Uhrzeigersinn um das Werkstück Gegenlauf Lange Kanten gleichmäßig durchziehen
Innenkante, Ausschnitt oder Öffnung im Uhrzeigersinn Gegenlauf Führung von innen, Maschine mit beiden Händen halten
Rundes Werkstück (Scheibe, die du behältst) gegen den Uhrzeigersinn Gegenlauf Mit Zirkel in mehreren Zustellungen
Rundes Loch (Platte, die du behältst) im Uhrzeigersinn Gegenlauf Mit Zirkel in mehreren Zustellungen
Frästisch, Werkstück am Anschlag Werkstück gegen die Drehrichtung zuführen Gegenlauf Zuführung von rechts nach links, Anschlag hinter dem Fräser
Verkehrte Richtung, zum Beispiel Außenkante im Uhrzeigersinn mit der Drehrichtung Gleichlauf Maschine kann ziehen und davonlaufen

Quelle: Bosch-Betriebsanleitung POF 1200 AE / POF 1400 ACE und DGUV Regel 109-606; Einordnung der Redaktion.

Eine Probe, die immer funktioniert

Setze die Maschine auf ein Reststück, schalte sie ein und fahre eine kurze Strecke an der Kante entlang. Sie sollte sich beim Vorwärtsschieben leicht gegen deine Bewegung stemmen. Zieht sie dagegen nach vorne oder springt sie, hast du die falsche Richtung gewählt. Schalte sofort aus, hebe die Maschine ab und drehe die Fahrtrichtung um.

Gegenlauf am Frästisch

Am Frästisch stehen Fräser und Maschine still, und du bewegst das Werkstück. Die Regel bleibt: Das Werkstück wird gegen die Drehrichtung des Fräsers zugeführt. Die Oberfräse ist dort auf den Kopf gedreht, sie hängt unter der Tischplatte. Von oben auf den Tisch gesehen dreht der Fräser deshalb gegen den Uhrzeigersinn. Wenn du vor dem Tisch stehst und der Anschlag hinter dem Fräser liegt, schiebst du das Werkstück von rechts nach links am Fräser vorbei. So trifft die Schneide dem Werkstück entgegen.

Führst du das Werkstück von links nach rechts, arbeitest du im Gleichlauf. Dann kann der Fräser das Werkstück erfassen und mit Wucht in Richtung des Vorschubs ziehen oder gegen den Anschlag schleudern. Die DGUV nennt als Ursachen schwerer Unfälle an Tischfräsmaschinen unter anderem eine fehlende Rückschlagsicherung und eine unsichere Werkstückführung. Besonders gefährlich sind laut DGUV Fräsen am Anschlag, Einsetzfräsen und Probefräsen. Wie du einen sicheren Tisch baust, erklärt die Anleitung Frästisch selber bauen.

Setze nie ein Werkstück ohne Anschlag oder Führung an einen laufenden Fräser an. Fräse am Tisch immer mit Anschlag, Federbrett und Fräserschutz.

Warum Gleichlauf zum Rückschlag führt

Beim Gegenlauf schiebt die Schneide die Maschine nach hinten, also gegen deine Vorschubrichtung. Das gibt dir Kontrolle, weil du den Druck leicht regulieren kannst. Beim Gleichlauf dreht sich der Effekt um: Die Schneide zieht die Maschine nach vorne. Wenn der Fräser in den Werkstoff einhakt, ruckt sie in Fahrtrichtung. Die DGUV listet unter den Gefährdungen von Handoberfräsen ausdrücklich Rückschläge der Maschine oder des Werkstücks, die durch Einhaken oder Verklemmen des Werkzeugs entstehen und zu Verletzungen führen können.

So vermeidest du Rückschläge:

  • Fräse nur im Gegenlauf.
  • Halte die Maschine mit beiden Händen. Die DGUV verlangt das während der Bearbeitung.
  • Setze die Maschine auf das Werkstück, bevor du sie einschaltest.
  • Nimm pro Durchgang nur wenig Material ab. Bosch rät bei größeren Frästiefen zu mehreren Bearbeitungsgängen mit geringer Spanabnahme.
  • Arbeite mit gleichmäßigem Vorschub und halte nicht mitten im Schnitt an.
  • Nutze nach Möglichkeit eine Führung: Die DGUV empfiehlt, die Maschine wenn möglich an Führungsschiene, Schablone oder zumindest mit Anlaufring zu führen und freihändig nur zu fräsen, wenn es unbedingt nötig ist.
  • Prüfe, dass Kabel und Absaugschlauch frei beweglich sind und nicht einhaken.

Die Ausnahme: Gleichlauf mit minimaler Spanabnahme

In der Holzwerkstatt gibt es einen bekannten Kniff: Wo Fasern an einer Kante sonst ausreißen würden, arbeiten manche Holzwerker mit einem ersten, hauchdünnen Durchgang im Gleichlauf. Weil die Schneide dabei zum Austritt hin dünne Späne abhebt, reißt weniger Holz aus. Danach folgt der normale Durchgang im Gegenlauf.

Wichtig ist, was das nicht ist: Es ist keine Standardmethode. Hersteller und Berufsgenossenschaft schreiben den Gegenlauf vor, und im Gleichlauf kann eine Handoberfräse davonlaufen. Den Gleichlauf-Kniff probierst du nur dann, wenn alle vier Punkte zutreffen:

  • Das Werkstück ist absolut fest gespannt.
  • Du führst die Maschine mit beiden Händen und festem Stand.
  • Die Spanabnahme ist minimal, wenig mehr als ein Kratzen.
  • Du hast genug Erfahrung, die Maschine im Notfall sofort auszuschalten.

Für Anfänger und für Arbeiten ohne feste Führung ist er tabu. Besser gegen Ausrisse helfen einfache Maßnahmen: scharfe Fräser, ein Opferholz am Austritt, ein flacher erster Durchgang und die richtige Reihenfolge der Kanten. Mehr dazu im Beitrag Ausrisse am Hirnholz.

Fahrtrichtung mit Parallelanschlag und Führungsschiene

Auch mit Führung gilt der Gegenlauf. Der Parallelanschlag und die Führungsschiene bestimmen die Linie, nicht die Richtung. Bosch beschreibt für die POF-Modelle, die Maschine mit gleichmäßigem Vorschub und seitlichem Druck auf den Parallelanschlag an der Werkstückkante entlangzuführen. Wenn du merkst, dass die Maschine vom Anschlag wegwandert oder ruckt, prüfe zuerst die Fahrtrichtung. Weitere Hinweise zu Anschlägen findest du im Beitrag Oberfräse zieht weg.

Typische Fehler

  • Drehrichtung verwechselt: Du denkst an die Drehrichtung des Fräsers, aber meinst die Fahrtrichtung der Maschine. Entscheidend ist, wie die Schneide im Eingriff läuft.
  • Innenkante falsch herum: Wer eine Öffnung gegen den Uhrzeigersinn umfährt, fräst im Gleichlauf.
  • Am Tisch von links zugeführt: Das Werkstück läuft im Gleichlauf und kann davonziehen.
  • Zu tiefer Schnitt: Je dicker der Span, desto größer die Kräfte. Fräse in Stufen.
  • Kein Anschlag am Tisch: Ohne Anschlag oder Anlaufring ist die Führung unsicher.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Gleichlauf und Gegenlauf?

Im Gegenlauf läuft die Schneide im Eingriff dem Werkstoff entgegen, im Gleichlauf läuft sie mit der Vorschubrichtung. Gegenlauf gibt dir Kontrolle über die Maschine. Im Gleichlauf kann sie aus der Hand gerissen werden, so die Bosch-Anleitung.

In welche Richtung dreht sich der Fräser einer Oberfräse?

Von oben auf die Maschine gesehen im Uhrzeigersinn. Daraus ergibt sich: Außenkanten gegen den Uhrzeigersinn umfahren, Innenkanten im Uhrzeigersinn.

Wie führe ich das Werkstück am Frästisch zu?

Gegen die Drehrichtung des Fräsers. Steht der Anschlag hinter dem Fräser und du davor, schiebst du das Werkstück von rechts nach links. Prüfe im Zweifel die Drehrichtung an deiner Maschine.

Darf ich jemals im Gleichlauf fräsen?

Nur als Ausnahme mit minimaler Spanabnahme gegen Ausrisse und nur bei fest gespanntem Werkstück. Hersteller und DGUV schreiben den Gegenlauf vor. Für Anfänger ist der Gleichlauf nicht geeignet.

Woran merke ich, dass ich im Gleichlauf fräse?

Die Maschine zieht nach vorn, springt oder lässt sich nur mit Mühe halten. Schalte aus, hebe sie ab und wechsle die Fahrtrichtung.

Gilt die Regel auch bei Akku-Oberfräsen und Kantenfräsen?

Ja. Die Drehrichtung der Schneide und der Gegenlauf sind unabhängig von der Stromquelle. Lies zusätzlich die Anleitung deines Geräts, denn dort sind Besonderheiten zu Anschlägen und Führungen beschrieben.

Quellen

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Redaktion Oberfräse Ratgeber

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Zuletzt aktualisiert am 3. November 2026 · Zur Redaktion