Kurz & klar
Eine Nut fräst du mit einem Nutfräser, den du am Parallelanschlag oder an einer Führungsschiene entlangführst. Stelle die Frästiefe in mehreren flachen Zustellungen ein, statt die volle Tiefe in einem Zug zu fräsen. Ist die Nut breiter als der Fräser, fräst du sie in zwei Durchgängen mit verstelltem Anschlag.
Rückwandnuten in Schränken, Einschubnuten für Böden, Führungen für Schiebetüren: Nuten gehören zu den häufigsten Arbeiten mit der Oberfräse. Mit einem geraden Nutfräser und einer sauberen Führung werden sie exakt und gleichmäßig. Die Technik ist leicht zu lernen, wenn du vier Dinge beachtest: die richtige Führung, mehrere flache Zustellungen, das richtige Maß und ein sicheres Einspannen.
Diese Anleitung zeigt dir den Vergleich von Parallelanschlag und Führungsschiene, den Ablauf Schritt für Schritt und zwei Sonderfälle: die Stopp-Nut, die mitten im Brett endet, und die Nut, die breiter ist als dein Fräser. Die Grundlagen der Maschine erklärt der Beitrag Oberfräse benutzen.
Das brauchst du
- Oberfräse mit Spannzange für den Fräserschaft (häufig 8 mm)
- Nutfräser in der Breite der gewünschten Nut oder schmaler
- Parallelanschlag oder Führungsschiene mit Adapter
- Zwingen, um das Werkstück zu sichern, und eine rutschfeste Unterlage
- Messschieber und Anreißwerkzeug
- Reststück aus gleichem Material für die Probenut
- Absaugung, Schutzbrille, Gehörschutz, Staubmaske
Welche Nutfräser es gibt, zeigt der Vergleich Nutfräser für die Oberfräse. Für den Einstieg bietet sich ein Set an, das mehrere Breiten abdeckt:
Bosch 6x PRO Nutfräser-Set
Ideal für: Standardnuten in Weich- und Hartholz
- Durchmesser
- 6, 8, 10, 12, 16 und 20 mm
- Schaft
- 8 mm
- Schneiden
- Hartmetall, DIN EN 847
- Sechs Breiten im Set
- Hartmetallschneiden
- Für alle Oberfräsen mit 8-mm-Aufnahme
- Nur 8-mm-Schaft
Das Set deckt die meisten Nutbreiten im Möbelbau ab. Es gehört laut Hersteller zu den Fräsern für Oberfräsen mit 8-mm-Werkzeugaufnahme aller Marken.
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Parallelanschlag oder Führungsschiene: Welche Führung passt?
Die Nut ist nur so gerade wie die Führung. Du hast drei Möglichkeiten, die sich nach der Lage der Nut unterscheiden:
| Führung | So funktioniert sie | Gut für | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Parallelanschlag | Führungsstangen in der Grundplatte, Anschlag läuft an der Werkstückkante | Nuten nahe der Kante, gerade Kanten | Reichweite der Stangen begrenzt, Kante muss gerade sein |
| Führungsschiene mit Adapter | Maschine läuft auf einer festgespannten Schiene | Nuten in der Plattenmitte, große Platten, exakt gerade Linien | Versatz zwischen Schiene und Fräser ausmessen |
| Hilfsanschlag (Brett oder Leiste) | Leiste wird am Werkstück gespannt, Maschine läuft an der Gleitplatte entlang | Große Werkstücke, einmalige Nuten | Leiste muss gerade sein und fest sitzen |
Quelle: Bosch-Betriebsanleitung POF 1200 AE / POF 1400 ACE; Einordnung der Redaktion.
Zum Hilfsanschlag schreibt Bosch in der Anleitung für die POF-Modelle: Bei der Bearbeitung großer Werkstücke, zum Beispiel beim Nutenfräsen, kannst du ein Brett oder eine Leiste als Hilfsanschlag am Werkstück befestigen und die Oberfräse am Hilfsanschlag entlangführen, und zwar an der abgeflachten Seite der Gleitplatte. Beim Parallelanschlag führst du die Maschine laut Bosch mit gleichmäßigem Vorschub und seitlichem Druck auf den Anschlag entlang der Werkstückkante.
Die Führungsschiene brauchst du, wenn die Nut weit von der Kante entfernt liegt. Dann reicht die Reichweite der Anschlagstangen nicht. Für die Bosch-Maschinen beschreibt die Anleitung dafür einen Adapter, der zugleich als Fräszirkel dient. Eine Distanzplatte gleicht den Höhenunterschied zur Schiene aus. Die Schiene spannst du mit Zwingen auf dem Werkstück fest. Mehr zu Schienen und Zubehör findest du im Vergleich Führungsschienen für die Oberfräse.
Der Versatz: Warum die Nut nicht dort liegt, wo die Schiene liegt
Die Maschine läuft an der Schiene oder am Anschlag, der Fräser sitzt aber seitlich versetzt. Der Abstand zwischen Anschlagkante und Fräser bestimmt, wo die Nut landet. Verlasse dich nicht allein auf die Skala. Fräse stattdessen zuerst eine Probenut in einem Reststück und miss sie mit dem Messschieber nach. Dann verstellst du den Anschlag um die Abweichung. So kontrollierst du Lage und Breite, bevor das gute Werkstück an die Reihe kommt. Messe auch die Dicke der Platte oder Leiste, die später in die Nut passen soll, mit dem Messschieber nach. Nennmaße und tatsächliche Stärken können abweichen.
Schritt für Schritt: Eine Nut in mehreren Zustellungen fräsen
- Nut anzeichnen. Markiere die Lage und, bei einer Stopp-Nut, Anfang und Ende mit einem Bleistift.
- Fräser einsetzen. Ziehe den Netzstecker. Schiebe den Fräser in die Spannzange. Bei den Bosch-Maschinen POF 1200 AE und 1400 ACE muss der Schaft mindestens 20 mm eingeschoben sein. Die DGUV empfiehlt, den Fräser so weit wie möglich einzustecken, mindestens bis zur Markierung am Schaft. Ziehe die Überwurfmutter fest, aber nie ohne eingesetzten Fräser, das kann die Spannzange beschädigen.
- Führung einrichten. Stelle den Parallelanschlag ein oder spanne die Schiene. Prüfe den Versatz mit einer Probenut.
- Werkstück sichern. Fixiere es mit Zwingen. Achte auf eine stabile, kippsichere Unterlage, wie es die DGUV empfiehlt.
- Frästiefe einstellen. Stelle die endgültige Tiefe am Tiefenanschlag fest. Bosch beschreibt dafür die Tiefeneinstellung mit Skala. Prüfe sie mit einer Probenut am Reststück. Für mehrere Stufen nutzt du den Revolveranschlag, den Bosch Stufenanschlag nennt. Du stellst die gewünschte Frästiefe mit der niedrigsten Stufe ein und wählst für die ersten Durchgänge höhere Stufen.
- Erste Zustellung fräsen. Setze die Maschine auf das Werkstück, schalte ein und tauche mit dem Spannhebel langsam bis zur ersten Stufe ein. Fräse die Nut mit gleichmäßigem Vorschub und gegen die Drehrichtung.
- Tiefer stellen, wiederholen. Bosch empfiehlt bei größeren Frästiefen mehrere Bearbeitungsgänge mit jeweils geringer Spanabnahme. Bei Hartholz und schmalen Fräsern nimmst du pro Durchgang nur wenige Millimeter.
- Nut reinigen. Heimwerker.de weist darauf hin, dass sich gerade in einer schmalen und tiefen Nut viele Späne ansammeln, die nicht entweichen können. Eine Absaugung ist deshalb optimal. Sauge die Nut zwischen den Durchgängen aus.
- Maschine nach oben führen. Führe die Maschine nach dem Fräsen in die oberste Position zurück, bevor du sie ausschaltest oder absetzt.
- Passprobe. Prüfe, ob das Gegenstück leichtgängig, aber ohne Spiel passt.
Warum nicht in einem Zug? Der Fräser muss bei voller Tiefe den ganzen Querschnitt auf einmal zerspanen. Das belastet Motor und Fräser, das Holz brennt leichter an, und die Maschine schlägt im Zweifel aus. Mehr dazu im Beitrag Holz brennt beim Fräsen.
Stopp-Nut: Nuten, die im Brett enden
Eine Stopp-Nut beginnt und endet im Werkstück, zum Beispiel für eine Rückwand, die nicht sichtbar werden soll. Du musst Anfang und Ende der Fräsung also begrenzen. Das geht mit Anschlagklötzen, die du mit Zwingen am Werkstück, an der Schiene oder am Hilfsanschlag befestigst, oder mit Bleistiftmarken, an denen du von Hand stoppst.
Gerechnet wird mit der Fräsermitte. Die Maschine muss sich um die Nutlänge minus Fräserdurchmesser bewegen, denn die Rundung des Fräsers gibt den Nutenden ihre Form. Ein Beispiel: Die Nut soll 200 mm lang werden, der Fräser misst 8 mm. Die Mitte fährt dann 192 mm. Die Enden sind rund. Wenn das Gegenstück eckig ist, stemmst du die Ecken mit einem scharfen Stechbeitel nach oder rundest das Gegenstück ab.
Weil du bei der Stopp-Nut einsetzt, tauchst du in das Werkstück ein. Bosch beschreibt das Eintauchen: Du drückst den Spannhebel der Frästiefenarretierung, führst die Oberfräse langsam nach unten, bis die eingestellte Tiefe erreicht ist, und lässt den Hebel wieder los, damit die Tiefe fixiert wird. Am Ende der Nut führst du die Maschine in die oberste Position zurück und schaltest erst dann aus. Am Frästisch gelten beim Einsetzfräsen eigene Regeln: Die DGUV verlangt dort eine Rückschlagsicherung, zum Beispiel einen Queranschlag. Mehr dazu im Beitrag Frästisch selber bauen.
Nut breiter als der Fräser: zwei Durchgänge
Nutfräser gibt es in festen Breiten. Das Bosch-Set aus dieser Anleitung enthält Durchmesser von 6, 8, 10, 12, 16 und 20 mm. Passt keine Größe, oder hast du nur einen schmaleren Fräser, fräst du die Nut in zwei oder mehr Durchgängen.
- Fräse die erste Nut mit dem Anschlag an der gewünschten Außenkante der späteren Nut.
- Verstelle den Anschlag um die Differenz zwischen Nutbreite und Fräserdurchmesser.
- Fräse den zweiten Durchgang. Der Steg zwischen beiden Nuten ist verschwunden, die Nut hat die gewünschte Breite.
| Gewünschte Nutbreite | Fräser | Anschlag verstellen um | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 12 mm | 8 mm | 4 mm | Zwei Durchgänge |
| 18 mm | 10 mm | 8 mm | Zwei Durchgänge |
| 20 mm | 8 mm | 12 mm | Mindestens drei Durchgänge, jeweils mit höchstens 8 mm Versatz |
Quelle: Rechenbeispiele der Redaktion.
Bei jedem Durchgang gilt: Fräse in Stufen, und lass die Maschine zwischendurch nicht an der Nutkante abrutschen. Ein breiter Nutfräser mit größerem Durchmesser macht die Arbeit schneller, braucht aber bei größerem Durchmesser eine niedrigere Drehzahl. Die Bosch-Anleitung zeigt für die POF 1400 ACE, dass die Stellradposition bei großen Durchmessern abnimmt. Nutze den Fräser-Drehzahlrechner, und beachte immer die Höchstdrehzahl auf dem Fräser.
Für Nuten in der Kantenmitte von Platten, zum Beispiel für Flachdübel oder Verbinderplatten, ist ein Scheibennutfräser besser geeignet. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag Flachdübel mit der Oberfräse.
Typische Fehler beim Nutfräsen
- Volle Tiefe in einem Durchgang: Der Fräser überhitzt, das Holz brennt. Fräse in mehreren Zustellungen.
- Nut zu breit oder zu schmal: Die Probenut fehlt. Fräse immer zuerst am Reststück und miss mit dem Messschieber.
- Nut nicht gerade: Der Anschlag sitzt locker oder die Kante ist krumm. Wechsle zur Führungsschiene.
- Werkstück rutscht: Zu wenig Zwingen. Sichere es an mindestens zwei Stellen.
- Späne in der Nut: Der Fräser verstopft und die Tiefe stimmt nicht mehr. Sauge zwischen den Durchgängen ab.
- Maschine wandert weg: Meist Gleichlauf oder zu viel Druck. Mehr dazu im Beitrag Oberfräse zieht weg.
Häufige Fragen
Wie tief darf eine Nut sein?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Als Faustregel aus der Praxis sollte die Nut deutlich weniger tief sein als die Materialstärke, damit das Werkstück stabil bleibt. Die Frästiefe stellst du an der Maschine ein und fräst sie in mehreren Durchgängen.
Wie fräse ich eine Nut ohne Anschlag?
Lieber gar nicht. Die DGUV empfiehlt, die Maschine wenn möglich an Führungsschiene, Schablone oder zumindest mit Anlaufring zu führen. Freihändig sollst du nur arbeiten, wenn es unbedingt nötig ist. Ein Hilfsanschlag aus einer geraden Leiste ist schnell gebaut.
Was ist der Unterschied zwischen Parallelanschlag und Führungsschiene?
Der Parallelanschlag läuft an der Werkstückkante und eignet sich für Nuten nahe der Kante. Die Führungsschiene wird auf dem Werkstück festgespannt und erlaubt Nuten an beliebiger Stelle. Dafür musst du den Versatz zwischen Schiene und Fräser ausmessen.
Wie fräse ich eine Nut, die breiter ist als mein Fräser?
In zwei oder mehr Durchgängen. Du fräst zuerst an einer Kante, verstellst den Anschlag um die Differenz zwischen Nutbreite und Fräserdurchmesser und fräst erneut. Bei sehr breiten Nuten lohnt ein größerer Fräser.
Wie fräse ich eine Nut, die mitten im Brett endet?
Als Stopp-Nut. Du begrenzt Anfang und Ende mit Anschlagklötzen oder Bleistiftmarken und tauchst in das Werkstück ein. Die Mitte des Fräsers fährt dabei die Nutlänge minus Fräserdurchmesser.
In welche Richtung fräse ich die Nut?
Im Gegenlauf. Im Gleichlauf kann dir die Maschine laut Bosch aus der Hand gerissen werden. Prüfe die Fahrtrichtung vor der eigentlichen Nut an einem Reststück. Die Regeln für Außen- und Innenkanten erklärt der Beitrag zu Gleichlauf und Gegenlauf.
Quellen
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